|
|
Von Martin Kaiser
– erster Teil –
Eine so große Weichenstellung wie in den vergangenen drei Jahren, die Entstehung einer Welt ohne Krieg, hat es selten gegeben. Während das US-Militär den Befehl bekam, sich aus Syrien und Afghanistan zurückzuziehen, Präsident Trump eine historische Öffnung gegen Nord-Korea anbot, um die bis vor kurzem drohende Atomkriegsgefahr zu überwinden, mobilisiert die Kriegspartei alle erdenklichen Mittel, diese Welt ohne Krieg zu verhindern!
Gerade weil es bisher keine Entscheidung gibt, welchen Weg die Welt gehen wird, sollten wir unsere Entschlossenheit vervielfachen, den Widerstand der Kriegspartei zu überwinden. Die Geschichte des antiken Griechenlands kann uns helfen, die strategische Klarheit zu erhalten, die wir für den Durchbruch zu einer neuen Epoche brauchen. Denn endlose Kriege sind in erster Linie ein Mittel zur Unterdrückung der Menschen durch eine barbarische Oligarchie, die ihre Macht seit Jahrtausenden u.a. mit Hilfe von Kriegen aufrechterhält und ein friedliches Zusammenleben verschiedenster Völker haßt. Lieber befördert sie dunkle Epochen des Untergangs, als nur ein Auslaufmodell in einer Zeit blühender Kulturen zu sein.
Das organisierte Unwissen über die brutalen Absichten der Oligarchie ist darüber hinaus eine große Gefahr für die Menschheit, sodaß nur wenige die große Chance einer Welt ohne Krieg aktuell erfassen und ihr zum Durchbruch verhelfen.
Diese Gleichgültigkeit wird noch dadurch verstärkt, daß den meisten Menschen eine Vision für eine neue Renaissance, ein neues Paradigma, vorenthalten wird, sodaß sie in Pessimismus versinken und nicht einmal wissen, für welchen Ausweg aus der Krise sie sich einsetzen könnten.
Für beide Mängel des strategischen Denkens kann die Geschichte des antiken Griechenland warnende und begeisternde Beispiele liefern.
Vor der Rettung Athens durch den weisen Solon (640-560 v. Chr.) hatte die Überschuldung der Bauern zu einem Ausbluten der Bevölkerung geführt, da sogar sie selbst als Sklaven verkauft wurden, um die Schulden zu bezahlen, sodaß die Landwirtschaft verödete. Der Zusammenbruch war so gewaltig, daß Oligarchie und Großgrundbesitzer Solon als Schlichter beriefen und sich seinem Richterspruch unterwarfen.
Darauf folgte zwischen dem Tode Solons um 560 v. Chr. und dem Tode Platons 348 v. Chr. eine in der Weltgeschichte wohl einmalige Blüte der Kultur. Bis heute erwecken die epochalen Errungenschaften Athens unsere Bewunderung, und das umso mehr, wenn sie betrachtet werden vor dem Hintergrund der Barbarei der vorhergehenden Jahrhunderte und des persischen Reiches, das eine ständige lebensbedrohende Gefahr für jeden Fortschritt war. Erstmals in der Geschichte wurde durch Solon eine Verfassung errichtet, die den überall praktizierten Wucher überwand und das Prinzip der Gerechtigkeit gegen das der Willkür durchsetzte.
Es gleicht einer zivilisatorischen Revolution, daß die Vollbürger demokratischen Anteil an der Regierung des Stadtstaates erhielten. Die Entfaltung ihrer Schöpferkraft führte zu noch heute für die gesamte Menschheit geltenden Errungenschaften. Ihre Beiträge in Philosophie, Poesie und Schauspiel, Naturwissenschaften, Architektur und Bildhauerei setzten Maßstäbe für unser Denken.
Es entstand das einzigartige Beispiel eines neuen Menschentyps, der die Sklaverei aller vorhergehenden Imperien überwand und sich von deren tierischem Menschenbild abwandte, das religiöse Menschenopfer, aber keine Bildung der Bevölkerung gekannt hatte. Stattdessen wurde die Entfaltung des Geistes der Bürger Ziel des Staates. Solons Verfassung sollte durch Moralgesetze die rohen Sitten läutern, und eine ästhetische Erziehung sollte die edleren Kräfte der Menschen freisetzen.
So erwuchs eine Bürgerschaft, die durch Freiheitsliebe, Patriotismus und Mut geprägt, derart tapfere Soldaten hervorbrachte, daß sich das viel stärkere Persien 22 Jahre lang, von 500-474 v. Chr., militärisch nicht durchsetzen konnte. Um sich vor den andauernden persischen Angriffen zu schützen, schlossen die griechischen Stadtstaaten sich 474 v. Chr. zum „Attischen Seebund“ zusammen. Athen war nun die Führungsmacht, aber eine Gleiche unter Gleichen, deren Führer und Volksversammlungen das Schicksal aller Griechen in den Händen hielten. Von ihrem Gerechtigkeitssinn, ihrer Sittlichkeit und ihrer Treue zum Geist der solonischen Verfassung hing es ab, ob die Griechen ihre kulturelle Überlegenheit gegen die gewaltige Übermacht der Barbarei behaupten konnten.
Jedoch breitete sich eine intellektuelle Modeströmung, die Sophisten, immer mehr aus, die das Erbe Solons angriff. Sie zerstörte die gemeinsamen Werte, die die meisten Griechen miteinander verbanden, und setzte den Verfall in Gang. Gefördert von Persien und kultisch-religiösen und oligarchischen Kräften Griechenlands, die die Selbstentfaltung des Volkes ablehnten, gelang es Persien, was es militärisch nicht erreicht hatte: Athen fiel nicht durch äußere Feinde, sondern durch einen inneren Feind, die Schule der Sophisten.
Denn sie leugneten die Möglichkeit, überhaupt Wahrheit und Werte zu erkennen, wie sie Solon z.B. niedergelegt hatte. Sie hielten jede Vernunfterkenntnis für Phantasie, da es nur die Sinne des Hörens, Riechens, Schmeckens, Sehens und Tastens gäbe, um die Wirklichkeit wahrzunehmen. Daher seien alle sozialen, rechtlichen oder politischen Regeln willkürlich.
Sie ahmten das Tierreich durch ihr Argument nach, der Stärkere beherrsche den Schwächeren und Macht schaffe Recht. Dem Geist der solonischen Verfassung aber entsprach, die Gesellschaft in Harmonie mit einer göttlichen Ordnung zu organisieren und den Bürgern Gerechtigkeit zuzubilligen.
Da es keine höheren Bildungseinrichtungen gab, füllten sie diese Lücke und unterrichteten Politiker, manipulierten die Volksversammlungen und erzogen gegen erhebliche Bezahlung heranwachsende Jugendliche, die auch öfters in Staatsämter aufstiegen. Laut ihrer Lehre sollte nur der eigene Vorteil zählen, wie viel Betrug und Verbrechen es auch koste, ob im Staat oder in der Familie, man dürfe dabei nur nicht auffallen. Sie prahlten damit, jeden von jeglichem überzeugen und durch ihre Reden vor Gericht jeden in die Verbannung oder zur Hinrichtung bringen zu können.
Die Ähnlichkeit zum heutigen Zeitgeist ist nicht zufällig, denn die sog. „Aufklärung“ des 18. und 19. Jh. n. Chr. in der Tradition des Aristoteles (384- 322 v. Chr.), einem späteren Feind Platons, folgte den gleichen Grundsätzen. Ihre Vertreter wie John Locke, Thomas Hobbes, Adam Smith, Rene Descartes oder Immanuel Kant trugen sie nur in modernem und akademisch aufgeputztem Gewand vor und bestimmen das Denken bis heute.
Einer der schlechtesten Einflüsse des 20. Jh., Lord Bertrand Russel, zum Beispiel, u.a. einer der Väter der Friedens- und Ökologiebewegung, rief 1951 in „Wissenschaft wandelt das Leben“ dazu auf, Schülern zu lehren, der Schnee sei schwarz, und ihren freien Willen zu zerstören.
Damals ließen sich die Athener von solchen üblen Lehren dazu verführen, ihre Vormachtstellung im „Attischen Seebund“ immer mehr zu mißbrauchen und den kleineren Stadtstaaten ungerechte Abgaben aufzuerlegen, die sie sogar teilweise militärisch eintrieben; denn Macht sei Recht. Dies führte letztlich zum großen Bruderkrieg, dem Peloponnesischen Krieg von 412- 404 v. Chr., der vom lachenden Dritten – nein nicht England, sondern Persien – gefördert wurde und 404 v. Chr. im Untergang Athens endete.
Dieser nihilistischen1 Selbstzerstörung einer Hochkultur widersetzte sich im Alleingang Sokrates (469-399 v. Chr.) ähnlich wie seit 1968 Lyndon LaRouche, der gegen die Zerstörung der USA und der westlichen Welt arbeitete.
Sokrates sammelte – wie auch die sophistischen Lehrer - Schüler um sich, die ihrerseits z. T. auch in wichtige Staatsämter kamen. Er lehrte sie aber die Suche nach Gerechtigkeit, Wahrheit und der Idee des Guten! Tatsächlich gelang es ihm, in ihnen eine leidenschaftliche Kraft zu entfachen, sich der Mode von Unmoral und Unrecht entgegenzustellen.
Selbsterkenntnis war ihm das Ziel wahrer Philosophie und damit errichtete er die Vernunft zur höchsten Autorität des Menschen. Durch sie kann der Mensch die allgemeinen Gesetze des Kosmos erforschen.
Nicht Wissen, sondern Prüfen, nicht Haben, sondern Suchen, war das Motto seiner Gespräche. Denn darin unterscheidet sich der Mensch von allen anderen Lebewesen, die von ihren Sinnen abhängen.
Er versuchte die Selbsterkenntnis über das eigene Denken auszubilden, ob es den Trieben der Wut, des Hasses, des Geschlechts und der Habgier folge oder der Vernunft bestimmt würde. Statt seinen tierischen Impulsen zu folgen, sei der Mensch befähigt, über Unbekanntes und Unsichtbares Hypothesen aufzustellen, die nach Überprüfung in der Wirklichkeit einen Fortschritt im Umgang zwischen den Menschen, mit der Natur und letztlich der ganzen Gesellschaft ermöglichten.
Damit eröffnete er erstmals ein Verständnis, wie wir denken und daß wir nicht wie mit Kabeln an die Sinnenwelt angekoppelt sind. Er schenkte uns die Freiheit zu entscheiden, wie wir denken wollen.
Aber sein wichtigstes Anliegen war, daß alles Handeln und Forschen des Menschen der Idee des Guten dienen müsse. Sein Glauben an einen Gott, sein Gehorsam und seine Liebe zu ihm belegt er in seiner Verteidigungsrede, als er wegen Gotteslästerung und Verführung der Jugend angeklagt und zum Tode verurteilt wurde: Gott warne ihn mit einer inneren Stimme, niemals Unrecht zu tun, und dieser Stimme folge er mit ganzer Leidenschaft.
Damit löst Platons Sokrates eine Transformation der Gesellschaft aus in einer Kultur, die vom Götzenglauben bestimmt war, dem auch seine Richter anhingen – der Verehrung verschiedener okkulter und irrationaler Kulte.
Sein Glaube an einen Gott dagegen beflügelte die Vernunft, die Suche nach einer einzigen Wirkursache hinter der täuschenden Scheinwelt der Sinne voranzutreiben.
Dem Meisterschüler des Sokrates, Platon (428-348 v. Chr.) verdanken wir es überhaupt, uns mit Sokrates anfreunden zu können, da er in etwa 30 Dialogen dessen Denken den Zeitgenossen und den folgenden Jahrhunderten übermittelte. Sokrates selbst hinterließ keine Schriften.
Platon fand sich nach der Hinrichtung des Sokrates mit etwa 29 Jahren vor der Aufgabe, das Lebenswerk seines geliebten Lehrers zu retten und nach Möglichkeit auszuweiten. Unter Einsatz seines Lebens, denn er wurde von den gleichen Kräften bedroht wie Sokrates, entwickelte er dessen Ideen in den Dialogen weiter und verschärfte die Angriffe auf die Sophisten. Er brandmarkte ihren Nihilismus für alle Zeiten, sodaß bis heute durch sein Werk der Name Sophist gleichgesetzt wird mit Wortverdreher, einer unlauteren Argumentation zum Schaden anderer und getarnten Lügen.
Nach längeren Reisen nach Ägypten und zu den Pythagoräern in Sizilien nahm Platon die kosmische Ordnung in seine Lehrtätigkeit auf. Die Erkenntnis harmonischer Bewegungen der Gestirne erweiterte sein Denken. Denn die Suche nach den Gesetzen, die die Bewegungen der Himmelskörper lenken, eröffnet ein Reich ewiger Harmonien, die die Einheit von Erkenntnis und Natur bewiesen und verständlich machten. Die erkennende Seele wurde für ihn eine Kraft in der physischen Welt. Dies wurde ein Grundpfeiler seiner Weltanschauung.
Natürlich war seit Beginn der Zivilisation die Astronomie für viele Lebensbereiche entscheidend, wie z.B. die Bestimmung der Jahreszeiten, nach denen sich die Aussaat richtete.
Diese wurde aber durch die Unregelmäßigkeiten der Sternbewegungen erschwert: Statt den zuvor angenommen 29,53063 Tagen fand man, daß der Monat nur 29,53059 Tage zählte. Das erforderte wieder genauere Messungen und bessere Kalender. Auch die Vorhersage von Überschwemmungen oder die Seefahrt von Handels- und Kriegsschiffen, sofern sie sich an den Sternbewegungen orientierten, hing von genauen Himmelsbeobachtungen ab.
Alle die hieran forschten, bewunderten die ewige harmonische Ordnung am Himmel. Wie konnte man sich diese erklären? Wie kamen die Unregelmäßigkeiten und Abweichungen von früheren Konstellationen zustande?
Die Erkenntnisse dieser Gesetzmäßigkeiten verstand Platon als „Weltseele“, nicht einen mystischen Geist. In seinem Dialog Timaios schreibt er, das Weltall sei ein „beseeltes und in Wahrheit vernünftiges Geschöpf durch die Vorsehung Gottes“.
Diese Weltseele aber sei selbstbewegt, und in ihrer Eigenbewegung sah er ihr Hauptmerkmal:
„So laßt uns den Grund erörtern, der den Werkmeister veranlaßte, dies Weltgebäude, diese Stätte des Werdens, zusammenzufügen. Er war voll des Guten; wer aber gut ist, für den gibt er niemals und nirgends einen Grund zum Neide: Völlig unberührt von ihm wollte er, daß alles ihm selbst so ähnlich wie möglich sei.“ (Platon, Timaios, 29-30)2
Hier unterscheidet sich der Mensch von allen anderen Geschöpfen, sowohl ewige Gesetze zu erkennen, als auch die eine Ursache zu suchen, die die unbelebte und die belebte Natur und die erkennende Vernunft hervorbringt.
Sollte diese Weltsicht nicht auch eine Leitschnur für den Staat werden? Wie konnten Lüge und Niedertracht die Volksversammlungen und den Staat beherrschen? Sollten Staatsführer und Studenten nicht in diesen Forschungen ausgebildet werden, durch Hypothesen neue Gesetzmäßigkeiten aufzuspüren, die wiederum die Untersuchungen verbesserten? Ließ sich hier nicht der Nihilismus der Sophisten überwinden, da die Gesetze des Himmels nicht mit Sinnen zu erfassen sind, sondern nur von der Vernunft?
All diese Studien müßten aber einem höchsten Ziel untergeordnet werden, schreibt Platon viele Male: „Denn daß die Idee des Guten das höchste Wissen darstellt, hast Du oft gehört... Wenn wir sie aber nicht genau kennen, mögen wir auch noch so genau alles andere kennen, wird uns dies keinen Nutzen bringen. Kein Besitz nützt uns ohne das Gute.“ – „Oder glaubst Du, es sei ein Gewinn, alles Mögliche zu besitzen, nur das Gute nicht? Oder alles andere, nämlich das Nicht-Gute zu verstehen, das Schöne und Gute nicht zu verstehen?“ (Platon, Der Staat, 505)
Leicht kann man verstehen, daß die Feudalaristokratie und die hohen Priester der Götzenkulte entsetzt waren, weil hier ein neues Menschenbild auftrat und eine neue Gesellschaft entstehen würde – wenn es sich durchsetzen sollte. Sie sahen einen Angriff auf das einzige, seit Jahrtausenden bestehende Herrschaftssystem, einen Angriff auf das Prinzip aller Imperien, der nicht nur die politischen Fesseln zu brechen begann, sondern auch die tieferen, die der Ideologie, wonach der Mensch nichts anderes sei als ein Tier, das von einer kleinen Herrscherschicht und ihren Lakaien abgerichtete werden müsse. So verhindern diese Kreise bis heute aktiv, daß Platons Ideen sich überhaupt verbreiten.
Finden wir an unseren Universitäten, Schulen, kirchlichen Bildungsstätten diese begeisternden Beiträge Platons? Stattdessen wird sein Werk verzerrt und verleumdet, so daß es heute bis zur Unkenntlichkeit entstellt ist und im allgemeinen Lehrbetrieb nicht mehr wahrhaftig wiedergegeben wird. Die einzigartige Rolle menschlicher Schöpferkraft, die in die Naturgesetze eindringen und sie sich untertan machen kann, wird geleugnet, ins Lächerliche gezogen, ja in die Nähe des Wahnsinns gestellt.
Die Seele sei Sitz der Irrationalität, heißt es, und im besten Fall wird ihr ein formales, der Mathematik ähnliches, mechanisches Funktionieren zugebilligt, das all die traurigen Verkrüppelungen hervorbringt, mit denen sich die Psychologen beschäftigen.
Aber die erkennende, kreative Seele als eine physische und soziale Kraft, die Menschen, Gesellschaft und Natur zu neuen Blütephasen führen kann, ist aus dem Bewußtsein gestrichen.
Gilt Platon, der als erster diese Ideen in der Welt verbreitete, heute vielen nicht als weltabgewandter „Idealist“ und wird seine Ideenlehre nicht als unverständlich wie ein mystischer Nebel hingestellt?
Diejenigen, die dies in Universitäten, Kirchenkreisen, Büchern und Zeitungen verbreiten, wissen aber auch, daß Sokrates wegen seiner Erziehung zur Gerechtigkeit, Tugend und der Idee des Guten zum Tode verurteilt wurde. Sie wissen auch, daß sein Meisterschüler Platon ihn in der Gerichtsverhandlung verteidigen wollte, aber niedergeschrieen wurde und der gleichen Bedrohung wie Sokrates ausgesetzt war, wenn er sein Werk retten wollte.
Soll das weltabgewandter, schwärmerischer „Idealismus“ sein? Warum können diese Sofaexperten Platon nicht großen Mut zubilligen, daß er sich nicht wie sie um seinen persönlichen Vorteil kümmerte und korrumpieren ließ?
Mehr noch, die seit Jahrtausenden gleichgeschaltete Ablehnung der Wirksamkeit von Ideen könnte dann nicht länger aufrechterhalten werden, sondern platonische Ideen müßten als eine große Macht anerkannt werden, die Geschichte und sogar Zivilisationen schaffen können.
War die Welt für die meisten Menschen noch Gegenstand des Aberglaubens, als die ersten Fortschritte der Wissenschaft gemacht wurden, so begeistert uns Platon in seiner Schrift Timaios mit den höchsten Konzepten einer harmonischen Ordnung:
„Gott erfand für uns und schenkte uns die Sehkraft, damit wir aus den Beobachtungen am Himmel Nutzen zögen für unsere Gedanken, denn diese sind mit ihnen verwandt.“
Da wir es selbst sind, die solche Beobachtungen anstellen, beschreibt diese Metapher den normalen Gang der platonischen Wissenschaft, Hypothesen aufzustellen, die, wenn sie sich bestätigen, zu besseren Hypothesen und letztlich platonischen Ideen oder universellen Prinzipien führen.
„Wir sollen uns die Berechnungen ihres naturgemäßen Ganges zu eigen machen, um durch die Nachahmung der göttlichen, unfehlbaren und richtigen Umläufe unseren schwankenden Umläufen [unseres Denkens] einen festen Halt zu geben.“ (Timaios, 47)
Diese poetische Ausdrucksweise trifft umso mehr zu, als die Erzeugung von Hypothesen eine Tätigkeit des Geistes ist und die Wechselwirkung von Entdeckung und neuer Hypothese widerspiegelt, die auch Friedrich Schiller in seinem kurzen Gedicht Kolumbus anspricht.
Kolumbus
Steure, mutiger Segler! Es mag der Witz dich verhöhnen,
Und der Schiffer am Steur senken die lässige Hand.
Immer, immer nach West! Dort muß die Küste sich zeigen,
Liegt sie doch deutlich und liegt schimmernd vor deinem Verstand.
Traue dem leitenden Gott und folge dem schweigenden Weltmeer,
Wär sie noch nicht, sie stieg' jetzt aus den Fluten empor.
Mit dem Genius steht die Natur in ewigem Bunde,
Was der eine verspricht, leistet die andre gewiß.
Friedrich Schiller
Poetische Qualitäten haben auch die „platonischen Ideen“, von denen hier geschrieben wird. Diese stammen nicht von Erfahrungen ab, oder haben nichts zu tun mit „Ich habe eine Idee“, einem spontanen Einfall, der durch Assoziation oder Kombination entsteht. Die platonische Idee drückt eine erzeugende Wirkung nur denkbarer Gesetze aus, wie dem Gesetz der Wirkung der Erdanziehung, dessen Effekt man sieht, wenn Gegenstände herunterfallen, aber das dahinterliegende Gesetz sieht niemand.
Gleiches trifft auf das Prinzip des Lebens, den Magnetismus oder die Kreativität zu. Sie allein enthält die Kraft, unüberwindliche Widersprüche wie in den angeführten Beispielen auf einer höheren Ebene zu lösen, die selber nicht in den Gegensätzen liegt.
Leicht kann jeder im Witz, der Ironie oder einem klassischen Gedicht solche Widersprüche und ihre Lösung erleben, die eine andere Wahrheit vermittelt, als sie in der Information der Buchstaben zu finden ist.
Das ist die Metapher im wissenschaftlichen Sinn, die sowohl in Naturwissenschaften als auch in der Kunst Fortschritt erzeugt, weil sie das Wesen der menschlichen Kreativität ist.
Platons Dialoge sind ein Muster solcher Metaphern, wie der eben erwähnte Gegensatz „der Beobachtungen am Himmel“ einerseits und in einem ganz anderen Bereich andererseits, nämlich „unseren schwankenden Umläufen [des Denkens] festen Halt zu geben.“
Gleiches gilt auch für die Proportionen der Töne, die sich in den Proportionen der Bewegungen der Gestirne wiederfinden. „Die Harmonien der Umläufe am Himmel“, d.h. die in Zahlen ausgedrückten Verhältnisse der Umlaufzeiten der Planeten z.B., „sind den Musen nicht zum Zweck unvernünftiger Lust gegeben worden, wozu heutzutage ihr Nutzen zu bestehen scheint. Sondern sie dienen als Beihilfe gegen den unharmonischen Zustand unserer Seele, deren Prozesse durch sie“ – die harmonischen Umläufe am Himmel - „zu geregelter Gestalt der Übereinstimmung mit sich selbst gebracht werden sollen“. (Timaios, 47)
Platons optimistische Botschaft lautet: Auf der Ebene der Vernunft lassen sich charakterliche und künstlerische Häßlichkeit, Zerrissenheit, Wut und Fanatismus überwinden. Der Platoniker Friedrich Schiller wies später so die Idee des Schönen als ein Vernunftkonzept nach, durch das die Wahrheit aufzuspüren sei.
Wenn man in Platons naturwissenschaftliche Leistungen eindringen will, die dem heutigen Bildungswesen bestenfalls nur eine Fußnote wert sind, ist Platons Sicht des Kosmos unerläßlich. Denn für ihn waren die geometrischen, mathematischen Gesetze und harmonischen Proportionen nur sinnliche Schatten eines sich bewegenden oder wie wir heute sagen würden, sich entwickelnden Universums und hatten keine eigene Existenz.
Nicht unsere reduktionistische Sicht der Zahlen, die als losgelöste Objekte mißverstanden werden und wie 1 und 0 zum Fundament der Computerwelt wurden, entspricht Platons Denken, sondern die Entdeckung von platonischen Ideen, über die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur, die den gleichen Charakter haben wie Gerechtigkeit, Tugend oder das Schöne.
Dies führt zu einem der Gründe, warum Platons Erziehungsmethoden sich mehr darum bemühen, wie kreative Durchbrüche gemacht werden, als die Ergebnisse auswendig zu lernen. In dieser „Kunst des Erfindens“ sah er den Weg der Menschheit, an der Schöpfung des Werkmeisters teilzuhaben.
Nach seiner Rückkehr aus Ägypten und von den Pythagoräern in Sizilien gründete Platon eine Akademie in Athen, die den Mangel an höherer Bildung beheben und den Umtrieben der Sophisten entgegentreten konnte. Das Bildungsprogramm, das auch künftige Staatsmänner und Frauen ausbildete, sah ein 15 jähriges Studium vor, von dem die ersten 10 Jahre (!) die Naturwissenschaften, Arithmetik, Geometrie, Stereometrie, Astronomie und Akustik umfaßten – die damals bekannten Wissenschaften – und 5 Jahre Philosophie. In diese Akademie lud er auch einige der wichtigsten Mathematiker Griechenlands ein, wie Eudoxos und Theaitetos.
Man darf sie sich aber nicht als reduktionistische Zahlenakrobaten heutiger Universitäten vorstellen, sondern sie betrieben ihre Lehre im Einklang mit Platons Suche nach der Idee des Guten. Eudoxos z.B. entwickelte eine Theorie der Himmelsbewegungen vom geometrischen Standpunkt und fand, daß Planeten keine Irrsterne sind, sondern sich nach festen Gesetzen bewegen. Dies lieferte die Verbindung für das Verständnis des Weltganzen und unterstrich die Einheit von Geist und Materie.
Er arbeitete in der Mathematik auch die Proportionslehre weiter aus. Wie z.B. in der Musik die Verhältnisse 1:2 (die Oktave), oder 1:4 (die Quarte), oder 1:5 (die Quinte) usw. bestimmten, so war diese Lehre eine Quelle für wissenschaftlichen Fortschritt über Jahrtausende.
Kardinal Nikolaus von Kues z.B., ein Begründer der italienischen Renaissance und Wegbereiter Leonardo da Vincis und Johannes Keplers, sah sich selbst in der Tradition des Pythagoras und Platons. So eröffnet er sein grundlegendes Werk Über die belehrte Unwissenheit (1440 n. Chr.):
„Alles Forschen geschieht durch Vergleichen. Es bedient sich des Mittels der Verhältnisbestimmung. Es ist ein Setzen von Beziehungen. Jede proportionale Beziehung bedeutet Übereinstimmung in einem Punkt und zugleich Verschiedenheit. Sie läßt sich ohne Zahlenverhältnisse nicht denken... Das war wohl der Grund, der Pythagoras veranlaßte, in der Kraft der Zahlen das Existenz- und Erkenntnisprinzip von allem zu sehen.“ (Nikolaus von Kues, Die belehrte Unwissenheit, S. 9)
Wieder stoßen wir auf die Sicht von Mathematik als ein Schatten der vorausgegangenen Entdeckungen und nicht als Kombination von isolierten Zahlen als Objekten.
Deutlicher drückt es Johannes Kepler aus, der Platoniker und Schüler von Kues, wenn er 1619 schreibt: „Was eine Proportion ohne Tätigkeit des Geistes sei, kann ich nicht verstehen“, eine leicht nachvollziehbare Erläuterung zu der „Kraft der Zahl“ bei Kues. (Kepler, Weltharmonik, Buch I, S. 14)
Für alle diese Wegbereiter größter wissenschaftlicher Durchbrüche waren nicht tote Zahlen als losgelöste Gegenstände das Fundament des Denkens, wie wir es heute in den Computerwissenschaften oder der Künstlichen Intelligenz finden, sondern menschliche Schöpferkraft sollte sich in Geometrie und Mathematik widerspiegeln. Beide können nur Schatten der zugrundeliegenden Erfindungen sein.
Der Aberglaube an Computer zur Vorausberechnung zukünftiger Ereignisse dagegen scheitert, wie wir in mathematischen Modellen der Ökonomie sehen, wo die Finanzzusammenbrüche nicht vorhergesehen werden, oder beim Club of Rome, der vor 50 Jahren den Untergang der Menschheit vorhersagte, aber menschliche Kreativität aus seinen Modellen ausschloß, oder bei den heutigen Klimamodellen.
Platon warnte vor solch einer einseitigen materialistischen Herangehensweise in seinem Dialog Politeia (Der Staat). Er beschrieb die Gefahren des Spezialistentums und untersucht, welche Wissenschaften der Erkenntnis des wahrhaft Seienden dienen oder ihr schaden. (Der Staat 525 ff).
Allein unsere seit etwa 200 Jahren gepflegte Trennung von Natur- und Geisteswissenschaften wäre ihm ein Greuel gewesen, wie auch seinem Anhänger Gottfried W. Leibniz, der bis ins 18 Jh. n. Chr. ihre Einheit verteidigte.
Zwar lobt Platon die Astronomen wegen ihrer guten Beobachtungen der Aufgangs- und Untergangszeiten der Gestirne, aber sie hätten den Zusammenhang zur Musik nicht erforscht. Obwohl die Zahlenverhältnisse der Astronomie mit Hilfe der Augen erfaßt werden und diejenigen der Töne mit den Ohren, also zwei verschiedenen Sinnesorganen, seien diese Wissenschaften verschwistert. Da auch viele Erfahrungen auf einer Kombination der Erfahrungen der Sinne basieren, ist dies allein schon eine Widerlegung des Glaubens an die Sinne als Zugang zur Realität. Allein die Vernunft kann hier die Suche nach einer höheren Ursache vorantreiben und findet eine Übereinstimmung in nur denkbaren Harmonien.
Was sagt uns das über die lebendige Schöpfung, der Idee des Guten, die beide Wissenschaften hervorbringt? Was erlaubt den Menschen, eine solche höhere Hypothese aufzustellen, die nach diesem Grund fragt, wenn man die Wissenschaft der Astronomie und der Musik als verschiedene durch ihre Sinne begrenzte Hypothesen annimmt?
„Der wahrhaft Lernbegierige fühlt sich getrieben, seine ganze Kraft für die Erkenntnis des Seienden einzusetzen und kann nicht bei vielen Einzeldingen verweilen, die gemeinhin als seiend angesehen werden.“ – „Er verfolgt seinen Weg ohne zu ermatten und von seiner Liebesbegeisterung zu lassen, bis er das eigentliche Wesen eines jeden Dinges erfaßt hat mit dem Vermögen der Seele, dem es zukommt dergleichen zu erfassen. Es kommt aber demjenigen Vermögen zu, das mit dem wahrhaft Seienden verwandt ist“, dem unwandelbaren Grund allen Wandels. (Der Staat, 490)
Vom Standpunkt der menschenfeindlichen Oligarchie mußten solche gefährlichen Gedanken um jeden Preis gestoppt werden, oder sie würde untergehen. Sie ergriff dankbar die Gunst eines ehemaligen Schülers und späteren Feindes Platons, Aristoteles, den sie nach Kräften förderte. Nach außen gab man den Anschein, als verträten beide ähnliche Standpunkte, sodaß bis heute oberflächliche Betrachter beide in einen Topf werfen.
Aristoteles trennte aber Geist und Materie, indem er die Schöpferkraft des Geistes leugnete und so den Menschen auf seine materiellen Teil beschränkte und dem Geist nur eine rein formale, statistische und ordnende Kraft zubilligte, die keine revolutionären Veränderungen hervorbringen kann. Im Gegensatz zu Platon (s.o. Timaios, 29-30) vertrat er die Ansicht, Gott habe die Welt einmal geschaffen und sie danach sich selbst überlassen. Der Mensch könne sein Wissen über eine fertige Welt nur durch die Sinne erlangen.
Aristoteles schrieb: „Denn das Wahrnehmen des jedem Sinne Eigentümlichen ist immer wahr und wohnt allem Lebendigen inne; das Denken ist aber auch des Irrtums fähig und wohnt nur denen inne, die Vernunft haben.“ (Aristoteles, De Anima III, 3)
„Deshalb wird man ohne Wahrnehmung wohl nichts lernen.“ (De Anima III, 5)
„Wahrnehmung, Gedächtnis, Erfassung des Allgemeinen, Kunst und Wissenschaft… nehmen von den Sinnen ihren Ausgang.“ (De Anima II, 19)
Wie sollen aber Sinne Ursachen entdecken, sei es in der Natur, Medizin, Geschichte oder Psychologie usw.? Das spielte für Aristoteles und seine Anhänger bis heute keine Rolle, ja Ursachen werden geleugnet. Nur Erfahrungen sollen „objektiv“ gesammelt, kombiniert und zu möglichen „objektiven“ Einsichten verknüpft werden, wozu Computer gut geeignet sind und den Menschen darin noch übertreffen. So zwängt man heute fast alles in mathematische Formeln, die sich grundsätzlich von den Sinnen ableiten, denn die Existenz der Vernunft wird geleugnet und ihr Studium wie in einer humanistischen Ausbildung hält man für unprofitabel.
Ganz modern ist es, alle Gründe dem Zufall zuzuschreiben, der auch für das zufällige Entstehen des Menschen herangezogen wird, woraus man den wahrscheinlichen und schnellen Untergang der Menschheit ableitet. Wer dennoch nach tieferen Einsichten sucht, wendet sich oft Horoskopen und Wahrsagern zu oder verweist auf ein unberechenbares anonymes Schicksal als Grund aller Dinge.
Niemand ist glücklicher über diese Verwirrung der Untertanen als eine Oligarchie, wie die Generationen von ferngesteuerten Wahrsagern oder Geistersehern belegen, die immer schon Herrscher und Untertanen manipulierten. Auch das Märchen von der irrationalen „unsichtbaren Hand“ in der Wirtschaftsauffassung des Aristotelikers Adam Smith hilft der Herrscherschicht hervorragend, ihre gigantischen Manipulationen der Ökonomie zu vertuschen und für sich zu nutzen. Und die Opfer beklatschen es bis heute dank ihres geistigen aristotelischen Gefängnisses!
Man hat es Lyndon LaRouche nie verziehen, daß er den unüberbrückbaren Graben zwischen Platon und Aristoteles aufgedeckt hat, statt die Gegensätze zwischen beiden nur als kleinere Feinheiten zu verniedlichen, wie es heute geschieht. Er konnte nachweisen, daß ein erbitterter Kampf zwischen beiden Lagern in Religion, Geschichte, Staatskunst, Universitäten und allen Künsten seit dem dritten Jahrhundert vor Christus ausgetragen wird. Wir haben es also mit einem politischen und strategischen Streit zu tun, in welche Richtung die Menschheit geht, und nicht, welche von den beiden philosophischen Richtungen Recht hat oder nicht.
LaRouche schuf seine eigenen wissenschaftlichen Durchbrüche auf den Schultern der Platoniker und konnte wieder ein neues revolutionäres Fundament für eine neue Renaissance schaffen, die wie die früheren Blütephasen der Menschheit ein Überleben sichern wird.
Auf Platons Tod folgten verschiedene dunkle Epochen, die letztlich im Zusammenbruch des römischen Imperiums gipfelten. Die Oligarchie hatte ihr Ziel erreicht, anstatt die große Wende anzunehmen, die die Christen in die Welt brachten. Denn die Apostel, der hl. Augustinus u.a. in der Tradition Platons hatten versucht, den Untergang aufzuhalten. Aber von etwa 400 n. Chr. bis Mitte des 14. Jahrhunderts n. Chr. versank Europa in Barbarei, Entvölkerung, Verfall der Sprachen, die den Verlust von Wissenschaft, Kunst und Architektur nach sich zogen. Den mutigen Versuchen, tierähnlich lebende Menschen wiederaufzurichten, ob durch Karl d. Großen oder die Märtyrer der irischen Missionare wie dem hl. Bonifatius oder hl. Kilian waren nur begrenzt Erfolge vergönnt.
Größeren Einfluß gewann der europaweite Aufbruch der Dombauschulen von Chartres, die mit der Erfindung neuer architektonischen Prinzipien etwa 60 Kathedralen in Europa errichteten und eine Welle von Bildung und Optimismus unter den Bauleuten und der Bevölkerung auslösten.
Mehrere Gründer waren Platoniker, und Thierry von Chartres greift Platons berühmtes „Höhlengleichnis“ aus dem Dialog Der Staat auf. Darin werden die Sinnenmenschen mit den Höhlenbewohnern auf eine Stufe gestellt und angespornt, aus der Höhle zum Licht der Vernunft- und Gotteserkenntnis aufzusteigen.
Erst mit der italienischen Renaissance im 15. Jh. n. Chr. erlebte der Platonismus seine größte Blüte, als ein großer Teil der bislang unbekannten Texte Platons nach Italien gelangten und ins Lateinische übersetzt wurden. Wissenschaftler, Künstler, Kirchenführer und Machthaber wurden in ihren Bann gezogen und wandten das neue Wissen in der florentinischen Republik, den Künsten, der Architektur und Ökonomie an. Charakteristisch für die begeisterte Elite ist Rafael Sanzios Gemälde Die Schule von Athen im Vatikan, in dem Platon das Gesicht Leonardo da Vincis trägt.
Nikolaus von Kues legte mit seinen theologischen, wissenschaftlichen und staatspolitischen Durchbrüchen das Fundament für Leonardo, Johannes Kepler und die Neuzeit. Mit Thomas Morus breitete sich die Renaissance nach England aus, und Erasmus von Rotterdam verbreitete sie in ganz Europa, wie z.B. in Albrecht Dürers Heimatstadt Nürnberg. Dem Platoniker Johannes Kepler gelang die historische Entdeckung des Planetensystems, die neue Entdeckungen von Fermat, Huyghens, Leibniz u.a. anstieß, und der selbst ein bestimmender Einfluß auf Carl Gauß, Max Planck und Albert Einstein werden sollte. Ohne J. Kepler und die von ihm ausgelösten wissenschaftlichen Revolutionen gäbe es heute keine Weltraumfahrt und keine Möglichkeit, den Weltraum zu besiedeln.
Sogar die politische Freiheit erkämpften im Amerika des 18. Jahrhunderts Anhänger von Platon und G.W. Leibniz und errichteten ein Bollwerk gegen die menschenfeindliche Feudaloligarchie des britischen Empires, das diese bis heute einzureißen versucht.
Der Aufschwung von Ökonomien seit der Renaissance, die durch Wellen von Entdeckungen ausgelöst wurden, erlaubte das größte jemals verzeichnete Wachstum der Menschheit. Hieran läßt sich die physikalische Macht der platonischen Ideen und ihrer wachsenden Herrschaft über die Naturgesetze am besten ablesen.
Dieser geschichtliche Rückblick zeigt, daß ein großer Teil des menschlichen Fortschrittes in der westlichen Welt auf Platons Ideen beruht. Barbarische Eliten setzten jedoch gegen diese Blütephasen Religionskriege, Jahrzehnte von Kriegen, die nicht enden sollten, so wie ihre genannten Lakaien in Religion, Wissenschaft und Kultur ein, um die Menschheit immer wieder zurückzuwerfen. Sie verhindern auch, daß diese einfachen Zusammenhänge überhaupt bekannt werden!
Heute liegt es in unseren Händen, die ewige Wiederkehr der Zerstörung abzuwenden. Wir können unseren geistigen Vorfahren den Dank dafür erstatten, daß wir die Früchte ihres harten Kampfes genießen dürfen - vorausgesetzt wir wissen, wer die Menschheit in den Abgrund führt und wie wir ein neues Paradigma, eine neue Renaissance für unsere Nachkommen wiederum schaffen.
(Fortsetzung folgt)
Fußnoten
1. Lateinisch nihil = nichts
2. Die Zahlenangaben der Platontexte entsprechen der Stephanuszählung, die die meisten Platonausgaben angeben.